Die Kernspaltung ist – wie seit Jahrzehnten bekannt – doch möglich. Seit kurzen steht auch fest, das diese Erkenntnis auch für das Team Hanka gilt. Doch halt! Uns gibt es weiterhin, nur begab es sich am ersten Juli-Wochenende, dass an zwei unterschiedlichen Orten Ultra gelaufen werden sollte, und zwar nicht irgendwelche, sondern gleich mit dreistelligen Kilometerzahlen. Mirko und Stefan nahmen mit dem Iron-Trail die harte Variante, während ich mich nur an die heimische Softie-Version Thüringen-Ultra wagte. Aber auch in und um Fröttstädt hatte ich ordentlich zu beißen.

Zunächst mal gab es allerdings einen Rückschlag: das bestellte und erwartete Wurfzelt kam nicht rechtzeitig, also konnte ich den Rat einer Kollegin „zusammenlegen geht wie BH-falten“ (woher soll ich wissen wie das geht???) auch nicht ausprobieren. Der Veranstalter in Fröttstädt denkt jedoch an alles, eine Massenunterkunft in einer Halle gab es ebenso wie ein größeres Zelt, in dem acht Feldbetten bereitstanden. In letzterem quartierte ich mich dann auch in illustrer Gesellschaft wie der dicken Wade und Karl Ziegelmeier ein. Der hat mir zwar die ans Bett servierte Thüringer Bratwurst fast verleidet weil in einem Lachanfall sein Gebiß mir entgegengeflogen kam, aber man ist ja tolerant…

 

Der Schlaf war naturgemäß schon durch den Start um vier Uhr und das rechtzeitige aufstehen eine Stunde vorher begrenzt. Außerdem schläft es sich in einem solchem Quartier mit offenen Planen und nächtlicher Feuchtigkeit nicht wie in Abrahams Schoß. Dafür war aber das Frühstück schon gerichtet und sogar die Semmel-Hälften schon mit Butter veredelt.

 

Für den Start bzw. die erste Phase des Rennens war analog der Erfahrungsberichte keine Stirnlampe notwendig. Unter Mondschein und auf dem freien Feld war genügend Helligkeit vorhanden. Das passiv-leuchten unserer Teamkleidung reicht leider noch nicht aus um auf Zusatzlicht zu verzichten, aber so ist ja Ausbaufähigkeit für die nächste Edition vorhanden J Nach circa 10km war der Thüringer Wald auch im Wortsinne erreicht. Es stand zu vermuten, dass wir diesen nicht so schnell wieder verlassen würden, denn auf die Frage wann ich denn an einem Bankautomaten vorbeikommen würden hieß es „…bei km69 müßte einer sein…“. Nun denn, nach etwa 10km hatte ich in Tom Fedler einen absolut Team-Hanka-tauglichen Begleiter gefunden. Sein Zeitziel gab er in Stunden an und nicht in Minuten, verbunden mit dem Zusatz“…so ungefähr…“. Außerdem hat auch Tom eine Leidenschaft für isotonische Laufverpflegung und Schönheiten entlang der Strecke. Desweiteren – und das ist ja entscheidend wenn man stundenlang nebeneinander hertrottet – ist er einfach ein prima Laufpartner.

Wenn ich nun die Strecke beschreiben soll wird es aber schwierig, denn so traumhaft schön und schön hügelig die Strecke auch ist, man kann sie nicht in einzelne Kapitel gliedern wie einen Stadtmarathon. Zu erwähnen ist aber unbedingt die traumhafte Verpflegung und die unermüdliche Freundlichkeit und Betriebsamkeit der Helfer. Da wurden Brote geschmiert, selbst hergestelltes Holunderblütengelee geopfert, fürsorglich nach dem Füllstand der Trinkflasche gefragt, aufmunternde Worte gab es auch immer, da fühlt man sich einfach gut aufgehoben! Tom und mir ging es somit auch lange gut, seinen bei km40 geheuchelten Probleme (Achillessehne, oder war es der Magen) waren eh unglaubwürdig, und so spulten wir denn auch die ersten 75% der Strecke ohne wesentliche Probleme ab. Wobei, meine Blase war heute schon in schlechter Form. Lag es an dem anfangs kühlen Wetter, am zu häufigen trinken, oder doch an meinem fortgeschrittenen Alter? Ich weiß es nicht, jedenfalls bescherte es mir gefühlte 20 Mal die Notwendigkeit, die entstandene Lücke zu Tom zuzulaufen. Bei km68 war hinter uns Donnergrollen zu hören, und ein Blick auf schwarze Wolken bestätigte, daß es nicht der Magen eines etwaigen Mitläufers wäre. Das Groß dieser Wolken zog aber bald in eine andere Richtung und uns streifte nur ein kurzer Schauer. Die fleißigen Helfer taten uns da zwar leid, aber dieser Schauer gab uns eine nötige Erfrischung für den letzten Abschnitt. Denn so langsam wurde es bei mir etwas unrund, so langsam konnte ich das ganze grün und die ganzen Bäume nicht mehr sehen, so langsam wollte ich das Bier nicht mehr mit Cola mischen und von dieser Mischung nur 0,2 Liter trinken… Trotz allem schien es uns aber sehr gut zu gehen, denn ab km80 begannen wir kontinuierlich Läufer ein- und zu überholen, dabei auch Bekannte, die wir den ganzen Tag noch nicht gesehen hatten. Auch traten lange unterdrückte Wünsche zu Tage wie „…unter 15h wäre schon nicht schlecht…“ also erhöhten etwas die Intensität, verließen bald den Wald und strebten der grandiosen Verpflegungsstation bei km95 zu. Mitten auf dem Feld ist eine kleine Stadt aufgebaut, es gibt Musik, es gibt Cheerleader, Sitzgelegenheiten, Schutz vor der wieder stärkeren Sonne, und vor allem die Gewissheit, dass es nicht mehr weit ist. Unser Kilometerempfinden war allerdings etwas gestört, so zeigten die Garmins von Tom und mir fast das gleiche an (maximal 20m Unterschied auf 95km!), was aber wiederum nicht ganz mit der offiziellen Kilometermarkierung übereinstimmte. Beim letzten VP nach 98km allerdings mit noch deutlich unter 14:50h zeichnete es sich ab, dass die sub15 realisierbar wären. Nach diesem VP – übrigens ein reiner Getränke-VP, also auch mit Schnaps! – gaben wir also nochmal ordentlich Gummi, unterquerten endlich die Autobahn (nachdem Tom schon eine schmale Landstraße als solche bezeichnet hatte, aber gut, er ist ja auch bei der Bahn) konnten noch zwei Läufer überholen und erreichten nach 14:56,13 endlich das Ziel. Meine sämtliche noch vorhandene Barschaft (2,50€) wurde sofort in Erfurter Braugold investiert und ein wirklich unvergeßlich schöner Lauf war zu Ende.

Wobei: ganz zu Ende war er ja nicht, denn der auf der Heimfahrt ergab sich noch der Besuch der Teamchefin und eines noch wachen Teamkollegen beim MP in Suhl. Die kulinarische Versorgung am MP ist übrigens – Hanka bitte verzeihe mir – absolut identisch mit einem HP!

 

Und weil mir jetzt keine passende Schluß-Pointe einfällt sage ich einfach: bis zum nächsten Mal auf den Laufstrecken dieser Welt!

 

brother bernd

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