Der 41. Rennsteiglauf stand für Bernd, mich und viele Freunde des Team Hanka (u.a. Mirko, Schweini, Silke Stutzke, Mark Becker (s. Foto), Harald, Nina und Sabine von der LG Mauerweg) auf dem Programm. Und da es ein Jahr nach dem großen Jubiläum war, hatte ich auch den Eindruck, dass es ruhiger zuging. Das soll aber natürlich nicht heißen, dass es weniger stimmungsvoll war – im Gegenteil, durch Showeinlagen hatten Bernd und ich in diesem Jahr noch mehr Spaß als sonst. Dies kam daher, dass ich für einen Auftritt das „Rennsteiglied“ von Herbert Roth üben musste. Unsere beiden „hauptamtlichen“ Gitarrenspieler sind ausgefallen und so muss ich wohl oder übel für den deg-Chor in die Bresche springen. Und wo konnte ich dieses feine Gesangsstück wohl besser üben als auf dem Rennsteig selbst? Und die Läufer und Helfer beim Rennsteiglauf bildeten einen unglaublichen Chor.

So machten wir uns also samt Gitarre vom Marktplatz aus auf den Weg und schon vor dem Start in Eisenach wurden wir ‚Opfer‘ zahlreicher Paparazzi. Viele werden wohl gedacht haben, dass das Team Hanka mal wieder freidreht – aber wir hatten ziemlichen Spaß dabei 😉

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In Eisenach ging es durch die – wieder vorbildlich gefüllte – Innenstadt und gleich den steilen ersten Anstieg herauf. Da aber dadurch noch viele Läufer zusammen waren, bekamen Bernd und ich für unsere Darbietungen reichlich Applaus. Das Brot des Künstlers 🙂
Am Start waren wir eigentlich noch mit einer gewissen Diana verabredet, aber trotz einiger Recherche konnten wir sie nicht ausmachen. Wir haben noch ein paar mal herumgefragt und sind uns – ehrlich gesagt – nicht sicher, ob sie uns am Markt gesehen hat (die Beschreibung lautete: „Halte nach den beiden Typen in rosa Ausschau!“) und sich dachte, dass sie lieber allein – und inkognito! – laufen wolle. Zu verübeln wäre es ihr nicht 😉 Gern hätten wir sie auf der Strecke begleitet – aber so konnten wir Nele vor den Tücken des Rennsteigs bewahren (s. unten).

Die ersten 25 Kilometer, bis zum Inselsberg, waren wie gewohnt hügelig und da Bernd noch die Strapazen des SWING (Suhl-Würzburg Intensiv Nonstop Genusslauf) in den Beinen hatte, hielt sich die Freude über die Ausdauerleistung bei ihm in engen Grenzen. Oder wie er in solchen Situationen meint: „Es ist ein bisschen zäh.“
Aber ob zäh oder nicht – wir hatten ja ein Ziel vor Augen. Damit meine ich freilich nicht Schmiedefeld – das lag ja noch so weit weg! Nein, ich meine die Restauration auf dem Inselsberg, die wir uns für unseren ersten „Bratwurst-Bier-Stopp“ ausgeschaut hatten. Ich gebe zu, dass wir – verschwitzt, verschmutzt und leicht blutig (die Gitarre hatte mir die Haut unterhalb der Nägel ein bisschen aufgeschabt) – nicht unbedingt das Traumklientel der Wirtschaft waren und wir zudem direkt in die Küche stolperten – aber die Wirtsleute empfingen uns artig und holten nach ein paar Minuten auch Bier und Wurst hervor (wobei die Wurst komischerweise merklich schneller da war, als das Bier). Wir nutzten die Zeit, um uns aufzuwärmen (es war ein bisschen kühl geworden) und die vorbeiziehenden Läufer zu bewundern. Eine wirklich bunte Schar!

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Frisch gestärkt ging es dann wieder auf die Strecke und ich bekam von den anwesenden Sanis sogar noch Tape für meine geschundenen Finger. So konnte ich wieder bedenkenlos schrummeln und was meiner Gitarre an Saitenstimmung und mir an Talent fehlte, glich ich einfach mit Inbrunst aus.
Die folgenden 20 Kilometer waren eigentlich recht ereignisarm, bis auf den Umstand, dass langsam die ersten Wanderer auftauchten. Diese sind immer besonders putzig, weil sie zum einen ihre Verpflegung komplett selbst mitführen (und damit entsprechend große Rucksäcke haben) und zum anderen aus kleinen, lustigen Trüppchen bestehen, mit denen sich gut schwatzen lässt. Öfters ließ ich mich deswegen auch hinter Bernd zurückfallen und legte ein paar Meter (oder auch mal Kilometer) mit einer solchen Gruppe zurück. Lernte so unter anderem Jeanette (ca. 26 Jahre, verheiratet, 1 Kind) und Katja (21, studiert aktuell Medienkommunikation) in ihren Wandergrüppchen kennen.
Ganz nebenbei stießen wir auch auf Detlev und Ines Abel aus Berlin, die auch wieder den langen Kanten in diesem Jahr angegangen waren. Und während ich noch mit Detti und Ines schwatzte, quatschte Bernd schon die nächtse – recht hübsche – Läuferin an. Es war Nele aus Holzkirchen (nur 30 km von Taufkirchen weg, wo Bernds Eltern wohnen), die in diesem Jahr ihren ersten Rennsteiglauf machte.

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Das erstaunliche an Nele ist, dass sie zuvor erst einen Marathon (Kyffhäuser) gemacht hat und nun gleich den Supermarathon am Rennsteig (73 km) anging. Ihre Mutter lief vor ihr, ihr Papa hinter ihr und so war es Bernd und mir vorbehalten, die zierliche Nele ins Ziel zu begleiten. Sie hatte gerade einen kleinen Hänger, als wir sie aufgabelten (was hatten wir für ein Glück :-))und mit dem Knie zu kämpfen. Eigentlich wollte sie bei Kilometer 50 (oder so) schon aussteigen, aber das ist natürlich nur Ansporn für die Männer vom Team Hanka – und ich glaube, so schwerwiegend waren die Gedanken an das Aufhören auch gar nicht.
Jedenfalls nahmen Bernd und ich sie in unsere Obhut, quatschten sie erst mal zu und es stellte sich heraus, dass sie in der gleichen Branche wie Bernd studiert (Abfallwirtschaft). So entspann sich zwischen den beiden für einige Kilometer ein Fachgespräch über Verbrennungsöfen, Giftstofflagerung (u.a. in Sondershausen) und rechtliche Aspekte der Entsorgung. So entsorgten sich auch ganz schnell die Sorgen von Nele und als sie dann noch am Grenzadler das böse Knie tapete, war die Welt schon wieder fast vollständig in Ordnung.
Wir hatten jede Menge Zeit und so gingen wir auch einige Abschnitte auf dem Weg nach Schmiedefeld und auch wenn wir uns mit den versauten Witzen bis Kilometer 70 zurückhalten mussten (das hatten wir Nele zugestanden), so hatten wir doch eine sehr schöne und lustige Zeit miteinander.

Hand in Hand liefen wir dann zu dritt über die Ziellinie, Nele fiel ihrer Mutter überglücklich in die Arme und wir drei gönnten uns noch ein dunkles Finisher-Bier. In der Bier-Bratwurst-Wertung stand es am Ende schließlich 5:2 (wobei der Sekt für ein Rennsteiglied-Vorspielen an der Schmücke nicht eingerechnet ist) und als weiteres Fazit lässt sich festhalten, dass wir den Paragraphen 2 der Team-Satzung (die demnächst auch feierlich festgeschrieben wird) als „Retter der Frauen“ wieder vorbildlich erfüllt haben.
Bleibt nur noch ein: „Hei, hei, hei ho – im nächsten Jahr sind wir alle wieder da!“

Jodler Steven