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Zum Glück gibt es ja noch andere Disziplinen als ultralaufen. Es müssen nicht immer 110km sein, es reichen auch mal 8! Wenn dann noch ein paar Höhenmeter dabei sind umso besser. So ergab es sich also, daß ich sonntags mit der ersten Bahn Richtung Füssen unterwegs war und erstmal dachte ich hätte mich im Land geirrt – war ich doch fast der einzige europäische Fahrgast unter lauter Asiaten… Meine Gehirnzellen arbeiten frühs noch nicht so schnell, deshalb dauerte es eine Weile bis ich kapiert habe warum: schließlich erreich man über Füssen auch das berühmte Schloß Neuschwanstein! Auf den 5km Fußweg zur Talstation der Tegelbergbahn war ich dann aber wieder alleine…

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Die Startunterlagen gab es in aller Routine, inklusive Gepäcktransport nach oben. Auch war hier nochmal das Profil zu bewundern:

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Am Anfang noch satte 20HM bergab

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dann erst sanft ansteigend

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und ab km3 wird es spannend und zumindest für mich nur zu gehen

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Alles noch guter Untergrund zum schlichten hochackern. Ab km5 wird es dann richtig spannend, nochmal ein VP mit sehr netten Menschen

 

dann biegt man nach links auf eine Skipiste ab und darf sie dann hochstiefeln.

 

Beim briefing hab ich mich noch gewundert als gesagt wurde: „… ihr könnt auch immer frontal hoch wenn ihr wollt – das machen aber nur die wirklich guten…“ Hinterher habe ich mich dann nicht mehr gewundert…

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Dann mussten eigentlich nur noch einige Stufen überwunden werden

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… und schon war man dann da…

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Da es langweilig ist den gleichen Weg runterzulaufen habe ich mir den Schutzengelweg nach unten empfehlen lassen, manchmal etwas steiler runter, dafür aber mit schönen Weitblicken

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und natürlich perfekten Ausblicken auf die beiden Schlösser

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und… Slalomlaufen durch die Menschenmassen die das auch alles sehen wollen…

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wobei es sich trotzdem gelohnt hat, hinter der Bushaltestelle ist man ja wieder fast alleine und kann vor sich hin träumen…

Die Geschichte – meine Geschichte – des TGNY100 – hat sich schon vor dem Anfang ewig hingezogen. Jürgen lag mir schon seit Jahren in den Ohren; „…den musst Du unbedingt laufen…“ – „… eine unglaubliche Atmosphäre…“ – „New York in allen Facetten…“ was man halt als Verkäufer so sagt. Jahrelang hab ich widerstanden, für einen zusagefreudigen Charakter wie mich eine ultralange Zeit. Doch dann kam irgendwann das Argument „…Phil machts nicht mehr lange …“ (also das Rennen organisieren), und da setzte ein Denkprozess ein. Die sonstige Jahresplanung wäre ja eine gute 100-Meilen-Vorbereitung, 30 Stunden müsste machbar sein, und überhaupt machbar sei das bestimmt. Die Startplätze waren innerhalb von 30 Minuten weg, überlegen war also nicht und der Startplatz war gebucht…

Die Vorbereitung selbst lief perfekt – bis eine Woche vor den 100km in Rheine. Eine billige Erkältung bremste mich soweit aus dass an einen schnellen 100er nicht zu denken war. Versucht hab ich es trotzdem, ok, ich hatte schon bessere Ideen. Auch der 2. Versuch zwei Wochen später hätte ich wohl besser lassen sollen, da ich den Trail du Petit Ballon auch nicht missen wollte… so beschränkte sich die Vorbereitung auf die zähen langen Sachen am WE, und Ruhe unter der Woche. Generalstabsmäßig vorbereitet geht anders, wobei… nicht alle Pläne machen auch Sinn…

Eines musste aber sein: das Taxi für die 6km zum Start. Die Busvariante war uns kurz vor 4 Uhr früh zu unsicher. Direkt am Times Square restliche Stararmbandausgabe

 

(Startnummern ist nicht) drop bags abgeben, Fotos machen… bis hierher noch völlig normal. Insgesamt 6-7 deutsche Starter waren dabei, neben Patricia auch Annett, die immer noch behauptet ich hätte sie vom ultralaufen überzeugt. Sagt jemand die sich selbstständig zum Mauerweglauf anmeldet… zum Glück war unser Anfangstempo identisch, das Tempo die ganzen ersten 166km lang… so flanierten wir erst über den Broadway zum Columbus Circle, von dort durch den Central Park.

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Da wurde auch gerade für irgendeine Sportveranstaltung aufgebaut, nicht für uns… die VP-Tische waren ca 20 Meter lang…Dann ging es weiter in den Norden an den Hudson River

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und mit der George-Washington-Brücke wurde die erste imposante Brücke unterquert.

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Jetzt wurde mir aber schon bald klar, warum der TGNY nicht so ganz einfach ist, mit dem Inwood Hill und dem Vault Hill wurden in den folgenden Parks auch alle „Berge“ mitgenommen, keine Alpen, aber wenn so ein Ding 70m hoch ist und teilweise auf schmalen trails „bestiegen“ wird geht das schon ein bißchen aufs Tempo.

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nach einer typischen Hochbahn

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kam dann ein erster Höhepunkt, zumindest für mich: auf Twin Island am Orchard Beach nach 38km kamen wir zum ersten Mal an den Atlantik, ein menschenleerer, aber wirklich wunderschöner Strand.

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Etwas wild geht es dann die Wendeschleife zurück und in einem großen Bogen durch die Bronx. Sicher ist da nicht alles Gold was nicht glänzt, aber es gab durchaus auch schöne Ecken an den vielen Sportanlagen, den Baseballplätzen, an der John McEnroe-Akademie vorbei, nur der Name des Weges schien zumindest diesem Abschnitt nicht ganz angemessen…

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Über die Robert-Kennedy-Brücke führt die Strecke dann nach Queens, eine Brücke die schon in der Team-Hanka-Satzung steht, nicht weil sie aus Holz ist, sondern weil das hochlaufen hier echt schwer fällt…

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Nach der Brücke war aber mit km60 ein erster Teil der Strecke schon geschafft, zelebriert mit einem VP. Schönheitsfehler: der VP ist direkt neben einem Spielplatz postiert, und da darf von gesetztestreuen Bürgern kein Bier konsumiert werden. Vorteil: ab hier dürfen die Läufer begleitet werden, und diese Aufgabe übernahm Rene, der mit seinem Citi-Mietrad selbst bald eine kleine Bekanntheit beim TGNY wurde. Das Bier hab ich dann an einer Hotelbar am Flughafen LaGuardia nachgeholt…

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Irgendwann da muß bei km70 auch einer meiner Lieblings-VP gewesen sein, beste Stimmung, Top-Kuchenbuffet, direkt am Wasser, vor dem Stadion der Mets…

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An der Throgs Neck Bridge vorbei

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zieht sich die Schleife dann in einem großen Bogen durch wirklich schöne Ecken von Queens hin zum Flushing Meadows Corona Park, einem riesigen sehr gut bevölkertem Freizeitgelände.

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Allein die Tatsache daß ich mich in diesem Bereich noch an so viele Einzelheiten erinnern kann zeigt schon daß es zu diesem Zeitpunkt noch ganz gut lief, es war schön, das Wetter perfekt und mit dem GPS und Rene als Pfadfinder kamen wir auch nie vom Weg ab. So freuten wir uns auf die Marke 100km, aber die kam erstmal nicht, sondern erst als wir schon über 102km auf der Uhr hatten. Sicherlich nicht viel, aber für eine kleine Delle hat es schon gereicht. Eine etwas größere Delle gab es, als mein drop bag am VP 100km nicht aufzufinden war. Hajo suchte zwar wie wild, aber was nicht da ist kann nicht gefunden werden… Olga (Hajos Frau, muss ich erst 100 Meilen laufen damit ich sie mal kennenlerne…) suchte daraufhin diverse Energiegels zusammen, aus der Konkursmasse von ausgestiegenen Läufern durfte ich mich auch bedienen, also ging es nach 15 Stunden weiter. Da schwante mir auch schon, daß die 24 Stunden als Zielzeit etwas schwierig werden würden. Noch deutlich mehr als 60 Kilometer übrig und die Nacht vor der Brust. Naja, egal, Hauptsache weiter war das Motto. Jetzt kamen aber bald die Abschnitte die mir schier unglaublich endlos vorkamen: Rund um die Jamaica Bay am Kennedy-Flughafen führt die Strecke in unendlich langen Geraden auf Dämmen und Brücken zum Atlantik, dann links, wieder 6km gerade, links ab und 6km geradeaus… Hier begann zum ersten Mal das Motivationstief sehr tief zu werden. Die Beine tun einfach nur weh, nur Sitzpausen bringen kurzfristig Abhilfe, da war die Verrazano-Narros-Bridge (Startort für den NYC-Marathon) in der Nacht schon ein echtes Highlight!!

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Als Wachmacher nahm ich in Ermangelung meines Spezial-guarana-Koffein-drinks einfach direkt die Kaffee-Bohnen aus der Sambuca-Ära, da muß man zwar gut beißen und kauen, aber wirken tut es auch!

Die New Yorker Polizei ließ es sich auch nicht nehmen am Strand für Abwechslung zu sorgen, plötzlich fuhr da so ein SUV neben uns und der Fahrer fragt Rene was er denn da mit seinem Citibike machen würde, da der Kaudelsch recht schwer zu verstehen war übernahm ich leicht genervt die Übersetzung:

 

–       Was macht der denn da mit dem Rad?

–       Na schieben, das sieht man doch…

–       Darf der das mit dem Rad?

–       Warum sollte er nicht, ist hier doch ein freies Land…?

–       Ja, aber viele Vermieter schließen aus mit dem Rad so weit raus zu fahren

–       Keine Sorge – ist alles abgeklärt, warum willst Du das überhaupt wissen?

–       Weil ich ein Cop bin!

–       Das kann ja jeder sagen… ich würde gerne mal den Ausweis sehen…

 

Also stieg der Cop aus, öffnete sein Hemd, zeigte Marke, Ausweis, Handschellen, Knarre… plötzlich ging mir der Arsch schon leicht auf Grundeis… aber die Jungs hatten soviel Stil daß sie noch für ein Foto posiert haben!!

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Durch solche diverse Ablenkungen kamen wir zum VP bei km148. Aber dort ging gar nichts mehr. Körpergefühl bei nicht bei null, sondern da noch weit drunter. Schmerzen überall unterhalb der Gürtelllinie. Einfach auf den Rasen gelegt und unwirsch auf die Helferin geantwortet, die mir in unendlicher Geduld Essen und trinken angeboten hat, und scheinbar Angst hatte daß ich komplett wegdämmere. Auf die Frage warum ich überhaupt hier bin habe ich erstmal mich verflucht, dann auf Jürgen geschimpft der an wirklich allem Schuld ist… Dieser Ausbruch von Energie hat Juliette davon überzeugt daß ich doch nicht kurz vorm sterben bin, und sich hat mich dann 10min dösen lassen, mich anschließend mit so einem 5h-Energie-drink aufgepäppelt und mich mit den Worten „100 Meilen können halt auch mal weh tun… wieder auf den Weg geschickt.
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Irgendwann wurde es dann auch hell, die stundenlangen Geraden durch Brooklyn sind aber nicht so der absolute Brüller. Was aber hilft ist der Gedanke „nur a bisserl geradeaus (= 6km), dann bissl durch Nebenstraßen, dann kommt schon die Brooklyn bridge… Das überqueren dieser Brücke zu Fuß wird auch für Touristen empfohlen, weil man einen super Blick auf Manhattan hat, ist auch ein schlichtweg geiles Gefühl wieder in auf diesen Moloch zuzulaufen, selbst wenn er sich wie bei uns leicht geziert hat…

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Ja und dann… geht es nur noch 5km den broadway

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entlang zum Ziel am Times Square, durch little Italy, chinatown, das wollte nicht aufhören… und doch war es bald zu Ende, nach 26:31h im Ziel am Times Square

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und ich bin immer noch geflashed… ein Wahsninnslauf durch eine Wahnsinnsstadt, unglaubliche Helfer, unglaublicher Freundlichkeit, eine immer gut gelaunte Begleitung die nur 1x geflucht hat… und Rene der seinem Hintern tatsächlich 100km auf einem billigen Mietrad angetan hat…

 

Einfach einen riesigen Dank an alle für dieses unbegreifliche Erlebnis!!!

Frankreich ist ja nicht nur das Land des savoir vivre, sondern auch das Land der Trailläufe. Ohne nach der genauen Zahl der Veranstaltungen zu schochen kann man trotzdem sagen, daß das Angebot ziemlich riesig ist. Selbst Mitte März gab es mit dem eco trail Paris und dem Petit Ballon zwei im Verhältnisse zu Deutschland riesige Läufe. Nun ist der Petit Balon auch noch ein Berggipfel, die Anreise aus Berlin über Basel ist äußerst preiswert und aus Ingolstadt konnte ich das Play-Off-Spiel des ERC Ingolstadt bei den Adlern Mannheim mitnehmen (liegt fast am Weg) – also nichts wie hin!

Start- und Zielort des Trail du Petit ist Rouffach, ein kleiner Ort im Elsaß knappe 45min nördlich von Basel. Klein, aber trotzdem ausreichend für die weit über 1.000 Starter. Entspannte Startnummernausgabe in der Veranstaltungshalle, nahe Parkplätze (wozu Industriebrachen doch gut sein können…) und mit 33€ ein ziemlich günstiger Preis, ist doch u.a. ein 45€-Shirt bereits dabei. Etwas unerwartet war dann aber das Comeback des Winters: 10cm Neuschnee plus wunderschöne Verwehungen sorgten für einen zusätzlichen Schwierigkeitsgrad. Die Strecke wurde deswegen aber nicht geändert, nur der Start um 30min verschoben damit durch verspätete Anreise keine Hektik aufkommt. Im Übrigen waren auch viele weitere Deutsche am Start, viele scheinbar auch zum wiederholten Mal. Mal eben wild und unbefangen fluchen ist also eher ungünstig.

Nach dem Start

geht es gleich durch die Weinberge zum ersten VP nach km10.

Dabei eine angenehme relaxte Stimmung, zum Glück, weil es immer wieder zu Stau bis Stillstand kam. Die trails sind eben manchmal sehr schmal und manche Läufer kamen an manchen Geländestufen gar nicht voran.

Aber: das ist ja kein Grund die gute Laune zu verlieren!

Laufstöcke haben sich dabei als echter Segen erwiesen den man gerne über die Strecke schleppt. Später habe ich auch die Schneeketten angelegt, und was soll ich sagen: selten habe ich mich für eine Investition in Laufequipment mehr beglückwünscht! Auf den schneebedeckten Anschnitten – also quasi 80% – bieten die Dinger absoluten Gripp, bergauf kann man wunderbar Druck machen und abwärts geht es ohne jede Rutschgefahr. Kathi Schichtl, falls Du das hier lesen solltest: danke nochmal!!!

Den zweiten VP gab es nach 17km in Osenbach in einem großem Heuschober, mit warmen Tee, Käse, Wurst etc.

Danach war Schnuggelchen leider schnell verschwunden. Hier ging es auch so langsam richtig in die Höhenmeter, und es sollte eine Weile dauern bis wieder ein VP kam. Ursprünglich sollte es an einem kleinen Pass am Hirtzenstein den dritten VP geben, dieser wurde aber ins Tal vor dem großen Anstieg verschoben weil per Auto nur schlecht/gar nicht erreichbar. Damit fehlte dieser VP auch auf dem Rückweg vom Petit Ballon, das wurde dann ein etwas mühseliger Abschnitt von km24 bis km38 inklusive der Gipfelüberquerung. Der Petit Ballon selbst ist im Nebel ein recht unscheinbarer Gipfel. Nach Kilometern ähnlich denen auf den Fockenstein,

für mich deshalb der Jürgen-Englerth-Gedächtnis-Weg – kann man sich plötzlich über die Gipfel-Madonna auf 1.272m freuen.

So ganz gemütlich war es oben aber nicht, sehen konnte man auch nicht viel, also beste Gründe um sich an den Abstieg zu machen. In der Ausschreibung ist erwähnt daß die Abstiege überwiegend human seien, quasi laufbar. Erstaunlicherweise war es tatsächlich so…

Auch die Franzosen an der Strecke waren immer guter Laune

Und ich unterstelle mal, daß dies nicht nur an der Flasche Wein als Helferverpflegung lag… Wobei einmal verstanden sie keinen Spaß, ich wollte einfach mal nett sein und meinte:

– „…sehr schön bei Euch in Frankreich!!“

– „… wir sind hier nicht in Frankreich!!!“

– „… aber ich dachte…“

– „wir sind hier im Elsaß!!“

– „na dann: schön hier im Elsaß!“

– „…stimmt!“

So ging es über den großen VP bei Osenburg fast immer bergab nach Rouffach.

Je weiter es nach unten ging desto mehr veränderte sich das Schnee-Schlammverhältnis, Teile der letzten Abstiege hätten auch gut zu togh mouder gepasst. An einem Weinberg hatte ein Helfer ein Einsehen und gab mir den Tip, doch einfach zwischen den Reben bergab zu laufen, da sei es einfacher.

Stimmt, an den Reben kann man sich prima festhalten, und wenn man sicher unten ist hat man diverse Reben demoliert…

So hat es dann doch geklappt die 52km und 2.310HM ins Ziel zu rollen.

Schon eine tolle Sache die da auf die Beine gestellt wird. Sicher auch bei schönem Wetter nicht ganz einfach und bei Bedingungen wie 2018 etwas für Liebhaber… sehr empfehlenswert!

Es begab sich aber zu der Zeit, als sich das Jahr zu Ende neigte, da befand der 6. Dan, daß man sich doch mindestens einmal dieses Jahr gemeinsam auf den Fockenstein begeben sollte. Und Recht hat er!! Zwar ist auch in den bayrischen Voralpen schon der Winter eingezogen und Frau Holle hat etwas übermäßig ihre Betten ausgeschüttelt, aber Jürgen hat aus gemeinsamer Bergerfahrung mit unserem chinesischen Lauffreund Jin die Erfahrung gemacht, daß Tiefschnee kein ein Grund ist den Fockenstein (als Amerikaner sagt er immer fucking stone – auf der Alm gibts eben koa Sünd) nicht zu besteigen.

Also: pünktlich um 10 Uhr starteten wir im Söllbachtal zunächst auf dem breiten Weg Richtung Söllbachklause

Kurz danach geht es rechts auf einen steileren Wirtschaftsweg, ein wenig mehr Schnee und gar nicht mehr geräumt. Ein wenig anstrengend aber gutes Stabitraining so zu laufen. Glaube ich.

Also erstmal freuedestrahlend in die Aueralm auf knapp 1300m erreicht und den ersten VP zelebriert.

Großartig in Frage gestellt wurde der weitere Aufstieg nicht, denn „damals mit Jin war es noch schlimmer“. Und da Jürgen am Fockenstein nunmal extrem ortskundig ist marschierte er voran.

Praktisch auch, weil da wo er hintritt ich selten weiter einsinke. In guter TeamHanka-Tradition wechselt man sich aber beim spuren ab, und so hatte ich nun das Problem zu suchen wo da ein Weg sein konnte.

Die meisten Markierungen sind ja auf Felsen gesprüht, praktisch bei 60cm Schnee.

Aber „damals mit Jin“ ging es ja auch nur nach oben, irgendwann an Felsen vorbei und schon waren wir oben, nach geschätzt dreimal so langer Zeit wie im Sommer…

Nur so schön war es dann oben doch nicht. Zwar war der meiste Schnee weggeweht und der Weg soweit gut gangbar – nur der Wind dazu war eben noch da. Insofern war es da oben schon unwirtlich, nicht mal ins Gipfelbuch haben wir uns eingetragen, naja, wie auch, einen Stift hätte ich eh nicht halten können… und so machten wir uns schnell auf den Rückweg.

Eine Idee wo der verlaufen könnte hatten wir nicht, zu sehen war auch nichts, also grob die Richtung angepeilt wo der Sattel zwischen Isar und Tegernsee liegt. Und tatsächlich… da kam irgendwann so eine Art Weg… da war zum einen der Weg zurück zur Aueralm zu erahnen

und irgendwann gab es auch wieder menschliche Spuren, und die Aueralm war auch bald wieder in Sicht, und es war schon schön wieder dort zu sein…

Und weil wir auf dem Gipfel andere Prioriäten hatten als den Gipfelschnaps zu trinken, haben wir den einfach mit anderen Leuten geteilt die wir auf dem Rückweg getroffen haben.

Zuguterletzt, wenn Jürgen schon mal was mit Jin gelaufen ist muß es nicht einfach sein – aber grandios ist es sicher…

Alle Jahre wieder… ein zugegeben ziemlich ausgelutschter Einstieg… aber in diesem Fall stimmt es ja nun mal, denn ganz traditionell rief am Wochenende des 2. Advent die kleine Scheidegg. Der Weg dorthin ist nicht kurz, zumindest mit dem Flieger aus Berlin wie Pät und Iwi relativ schnell erledigt. Zum Begrüßungsumtrunk in Solothurn ist es eine knappe Stunde, am nächsten Morgen zum Start in Lauterbrunnen auch nochmal eine knappe Stunde. Schon diese Anfahrt war etwas anders als im letzten Jahr. Bei Nebel und Schneefall war von der schönen Landschaft nichts bis gar nichts zu sehen. Nichtsdestotrotz, pünktlich verspätet ging es vor dem coop

in Lauterbrunnen auf die Strecke des Jungfrau-Marathon.

Diese macht zunächst eine größere Schleife durch das Tal bevor es richtig in den Berg geht. Entgegen der TeamHanka-Erkenntnis „warum ein Tal entlanglaufen wenn man es auch queren kann“ sollte man zumindest den Teil bis zu den Staubbachfällen laufen, die im Normalfall so beeindruckend sind daß auch Goethe sich dichtend über sie ausgelassen hat. Doch was ist schon normal: heute waren sie zu einem guten Teil eingefroren…

Jetzt muß man nur noch durch den Tiefschnee auf die andere Talseite

Kann sich im unfleckten Schnee verlustieren

und sich schonmal auf den Anstieg ins Weltcupdorf Wengen freuen.

Für Wanderer wird der Weg ja nicht geräumt, deshalb ist es zwar etwas mühsamer als im Sommer, dafür umso stimmungsvoller durch den tiefen Schnee nach oben zu wandern.

Bis Wengen ist es an sich nicht weit, eine gemütliche knappe Stunde, der Weg lohnt sich angesichts der Leckerlis die es oben gibt…

Nach Wengen geht es auf Rodel- und Skiwegen Richtung Tagesziel kleine Scheidegg. Praktischerweise könnte man in Wengen und Wengeralp auch auf die Bahn umsteigen

aber „Berge unplugged“ gibt es eben nur zu Fuß.

Netterweise verzog sich der Nebel bald und der Eiger präsentierte sich in ganzer Schönheit

Bei SwissMystery darf der Hüttenzauber und andere Einlagen natürlich nicht fehlen

Umso mehr, als daß sich der nächste Tag etwas stürmischer präsentierte. Über Nacht war die Temperatur von -15 Grad um 10 Grad angestiegen, dazu kam dichter Nebel und stürmischer Schneefall. So waren keine großen Sprünge mehr möglich, nur ein kleiner Abstecher nach oben Richtung Station Eigergletscher. Wir ließen es mit einem Fahnenfoto, bei dem weißen Hintergrund sieht eh keiner wo das genau ist…

Anschließend drückte leider etwas die Zeit, also schnell das Gepäck für den Taltransport abgeben und durch eine frisch verschneite Landschaft ins Tal schweben, glücklicherweise war der Wind abseits der kleinen Scheidegg auch nicht mehr so stark ☺️

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s soll man dazu also noch sagen… es gibt wahrlich keinen Grund nicht nochmal wieder zu kommen…

Eigentlich wollte ich nach Tag 2 die Weltreise beenden. Noch einen Tag im beschränkt romantischen Wetter muss ja nicht sein. Aaaaaber da gab es ja noch diesen ominösen Kilometer 10.000, der irgendwo kurz nach Würzburg liegen musste. Für diesen Meilenstein wurde sich erstmal ausführlich körperlich und seelisch gestärkt

bis die Begleiterin des gestrigen Tages (die B19) aufgesucht und weiterverfolgt wurde.

Ursprünglich lautete der Plan nach Schweinfurt zu radeln, ich könnte von dort nach Hause und Kiwelyn wären links nach Berlin weitergefahren. Aber ach… die Motivation war doch etwas labil (also bei mir). Die beiden haben ja außerdem bald Termine mit dem Ultrateam in Berlin, jetzt ca 100km pro Tag vor sich und den fränkischen und Thüringer Wald dazu. Deshalb steuerten wir den ersten Bahnhof nach km10.000 (der wiederum hinter dem schönen Örtchen Opferbaum lag) in Eßleben an, und dann ab in den Zug nach Bamberg.

Das liegt ebenfalls auf unseren Strecken und ermöglicht längere Abschnitte ohne Unterbrechung. Genug Zeit zum Mittagessen.

Und Zeit das Kilometer-10.000-Photo zu planen. Da merkt man erstmal was da für ein geistiger und zeitlicher Aufwand dahinter steckt!!! Die letztliche Variante war dann glaube ich doch gelungen☺️

Tja und dann trennten sich unsere Wege 😔 aber es war toll Teil der ganz großen Reise gewesen zu sein!!

Tag1 endete zwar spät, dafür aber umso angenehmer: bei einem Bundesbruder meiner Münchner Studentenverbindung in Hall wurden wir getrocknet, gehegt, gepflegt, dass es schon nicht so leicht war wieder aufzubrechen.

Da Kristian und Elke aber zum einen selbst Weltreisende sind (mit dem Käfer in den 70ern bis kurz vor Afghanistan, quer durch Amerika, usw…) lässt man sich davon nicht abhalten. Zum einen muss erst die bisherige Route besprochen werden

und dann mit Kristian als Ortskundigem der Weg nach Würzburg geplant. Fazit: von einem Flußtal immer in das nächste, vom Kocher zum Jagst, zur lieblichen Tauber, dann zum Main.

In Künzelsau wurde nach einer Kaffeepause der Kocher verlassen

Und dann ging es immer entlang der B19

Nach Bad Mergentheim

zum Mittagessen. Gefühlt wurde der Verkehr etwas weniger, auch Photos von der Seite wurden mal möglich. Es regnete zwar mittlerweile ausdauernd, doch noch reichte die Stimmung um solche Schilder zu diskutieren wie „Kinder vor Verkehr!!“ was ja theoretisch gar nicht geht…

Durch bestimmt malerische Landschaften erreichten wir schließlich endlich Würzburg

Nach knapp 100km, durchnässt aber so froh, dass ich sogar dieser berühmt-berüchtigten Brücke bei Würzburg (wenn ich da drüber fahre ist immer Baustelle und Stau…) als großem Zielbogen etwas positives abgewinnen konnte…

Eigentlich war es schon länger ein Plan, Evelyn und Kiwi mal beim weltreisen zu besuchen. Aber ach… zum einen war ja schon bei der Tour von Bratislava nach Ingolstadt schwer (und, äh… letztlich unmöglich) einen festen Zeitplan einzuhalten und sich dementsprechend zu verabreden. Und zum anderen waren irgendwann auch die Urlaubstage aufgebraucht. Aber jetzt, auf der Zielgerade (wie die Bayern damals in der 94. Minute in Hamburg), da geht doch noch was! Zwar nicht in der großen, weiten, unbekannten Welt, sondern auf heimatlichem Terrain, aber heißt es so schön: Egal ob Singapur, Samarkand oder Stuttgart – Hauptsache Weltreise!

Der Plan lautet nun also, an einem Tag von Stuttgart aus nach Schwäbisch Hall zu radeln und den Tag später dann nach Würzburg. Großer Vorteil: nach Stuttgart kann ich mit Zug anreisen (ist mit Singapur etwas schwierig). Weiterer Vorteil: von Würzburg aus geht es mit dem Bayernticket problemlos zurück. Außerdem ist der Vorteil am minimalistischen reisen (1 Rucksack, 1 Satteltasche), dass man nicht viel vergessen kann…

Kiwi und Evelyn reisen zwar auch minimalistisch (zwischen Thailand und Georgien mit nur einer Gabel glaub ich), dennoch versetzte mich das gesammelte Gepäck ein wenig ins staunen

Dennoch hat sich in 313 Sonnentagen eine bemerkenswerte Routine im aufsatteln ergeben

Und so konnten wir bei 1 Grad und sonnigem Schneefall starten.

Unter Zuhilfenahme der Scoutdienste von Evelyns Vater ging es zunächst aus Degerloch

(wer mir als erster sagt welcher Fußballverein dort beheimatet ist kriegt eine Lindorkugel ☺️) zum Neckar runter, und dann flach

weiter bis Remseck, um dann erstmals in die liebliche Hügellandschaft einzutauchen.

Nach einem Zwischenkaffee in Bittenfeld gab es pünktlich zum Marathon in Backnang

beim Thai-Laden Mittagessen. Mit Glückskeks, dessen Spruch mir zwischendurch schon wie reinrassiger Sarkasmus vorkam…

Auf dem lieblichen (Eigenwerbung…) Murr-Radweg ging es dann nach Sulzbach um auf der B14 den Schlußanstieg über den letzten Berg nach Schwäbisch Hall zu nehmen. Auf der B14 hätten wir mal bleiben sollen, denn ein anfangs brauchbarer paralleler Waldweg wurde erst steil, dann matschig und war dann gänzlich unbefahrbar. Mit einer Mischung aus tragen

und schieben fanden wir schließlich wieder auf die B14 und nach 80,6km mit 1009HM auch nach Schwäbisch Hall zu einem Bundesbruder meiner Münchner Verbindung, der uns Obdach, Verpflegung und Routentipps für den kommenden Tag versorgte. Es wird schon ein langer Tag (nicht die Sonnenstunden…), aber Berlin rückt näher ☺️

Die allerletzte Deutsche Meisterschaft stand in Schwäbisch Gmünd an, und dort sollte die weiter fortschreitende Unterwanderung der LG Nord sollte hier weiter fortschreiten. Daß hier eine DM im Straßenlauf stattfinden sollte war aber schon etwas… gewagt. 1158 Höhenmeter sind nicht gerade wenig, und so manchen Wurzelpfad gab es hier auch. Doch wie heißt es so schön: bei Meisterschaften sollen die besten ermittelt werden, und nicht die absolut schnellsten Zeiten ermittelt werden. Team Hanka trat dafür nahezu in Bestbesetzung an. Vräncky „die Gazelle“ Nickel und der mehrfache deutsche Rekordhalter Stefan Bicher und meine Wenigkeit. Die Motivation einiger schien sich zwar am Ende des Laufjahres noch etwas in Grenzen zu halten 

trotzdem gelang es vor dem Start noch ein Gruppenfoto mit glaubhaft guter Laune zu knipsen

 

Die doch relativ zahlreichen Starter verteilten sich zum Glück schon in der malerischen Innenstadt relativ schnell

 

sodass die herbstlichen Wege entlang der Rems schon halbwegs störungsfrei belaufbar waren

 

in einem langanhaltenden Anfall geistiger Übernachtung war ich gefühlt deutlich zu schnell unterwegs, aber getreu dem Witz vom Fensterputzer der aus dem 27. Stock fällt und bei jedem Stock an dem er vorbeifliegt denkt „… Mensch, bis hierher ging’s ja gut…“ hielt ich eine Korrektur scheinbar nicht für notwendig. Immerhin trifft man auf diese Weise Läufer die ich sonst nie auf der Strecke treffen würde, wie Angela und Melanie

 

Mein letzter Start beim Alb-Marathon ist ja schon acht Jahre her, angesichts meiner Vergesslichkeit ein geradezu unermesslich langer Zeitraum. Da hätte ein etwas genauerer Blick auf das Streckenprofil ein wenig geholfen. So habe ich doch glatt den ersten leichten Anstieg zum Wäscherhof tatsächlich kurze Zeit für den ersten richtigen Berg gehalten

 

wurde aber schon kurz darauf ein besseren belehrt, als sich der Hohenstaufen mit seinen 684m einfach so aufbaute.

 

Auch auf dem Hohenstaufen zeigte sich aber, daß es sich immer wieder lohnt Steigungen auf sich zu nehmen, ist die Aussicht wie heute ganz einfach lohnenswert

 

und manchmal trifft man auch Teamkollegen die einen schamlos anlügen

 

mit Sätzen wie „… ist nicht mehr weit bis oben…“ Lange kann man sich nicht schonen, nach ein bißchen runter geht es durch eine leicht wellige Landschaft mit dem guten Ausblick auf das was da noch so kommt.

 

Auch Fritz gab sich als cheerleader die Ehre

 

Der Rechberg wird auf einer Art Kreuzweg erklommen, tatsächlich könnte man anfangen zu beten daß das endlich bald aufhört…

 

Ein letztes Mal noch von Ullika versägt worden

 

und dann die Bergankunft des 25km-Laufes noch knapp im 6er-Schnitt erreicht

 

natürlich nicht ohne auf dem Gipfel die Synergien aus kultureller Fortbildung und körperlicher Aufbauarbeit zu nutzen

 

aber dann… war es sehr schnell schon nicht mehr so toll. Nicht daß ich ein Problem gehabt hätte, nein… bei der Selbstanamnese kam ich mir vor wie ein ADAC-Mensch der ein Auto kommentiert mit den Worten „…hm, der Tank ist leer, Öl fehlt, die Reifen sind abgefahren, die Dämpfung sollt ersetzt werden, bis zur nächsten Werkstätte sollte es aber noch reichen…“ So begab ich mich mit Martin Rudolph zusammen

 

im Überlebensmodus auf den Rest der Strecke. Immerhin boten zwei weitere Begegnungsstücke noch ein wenig Abwechslung und willkommene Ausreden um stehenzubleiben. Prominenz wie der Geschäftsführer der DUV

 

kamen mir da entgegen, oder Vräncky mit einem strahlenden lächeln…

 

dann flog mir Amrei entgegen

 

und Micha an mir vorbei…

 

Trotz allem ließ der Genußfaktor doch ziemlich nach, doch wie sagt man so schön: „… und wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“: in meinem Fall der VP nach 39km am ‪Braunhof in Waldstetten‬. Nicht nur weil es ein ausgesprochen gut gelaunter VP war, sondern weil sich dort die Brennerei Kottmann befindet, deren Produkte nach höflicher Nachfrage auch zur Verkostung kamen

 

Eine mir durchaus sympathische Nutzung der zahlreichen Streuobstwiesen. Viel konnte da also nicht mehr schief gehen, Gritti durfte noch vorbei, 


aber el Cheffe wurde überdurchschnittlich routiniert auf Abstand gehalten. Möglicherweise wollte er sich so auch nur auf ein Zieleinlauffoto schleichen… immerhin hat er als Trainer mal wieder die Größe gehabt zu beweisen, daß Trainingspläne manchmal völlig überbewertet sind…

 

Irgendwie schade daß der Alb-Marathon oft in einer Zeit liegt, in der ich lauftechnisch doch etwas verbraucht bin. Da gibt es bestimmt noch einiges schönes und angenehmes zu sehen und erleben 😃

Angespornt von den Moderatoren des UTMB konnte es dann endlich losgehen
Zunächst noch bei Vollmond ging es erst noch kurz flach übers Feld und dann den ersten gaaaaanz humanen Anstieg nach Tizi Agouns hoch. 


Und auch nur 500HM. Danach ebenfalls hervorragend laufbar ungefähr 1.000HM rollen lassen in das erste Berberdorf Timmomumar


Und danach leicht wellig an den Hängen entlang zum ersten VP nach 30km und ca 1.100HM.


Bis dahin lief fast alles super, prima in der Zeit. 


Doch meine GPS-Messung war schon 3km weiter, meine 2 Liter Wasser schon aufgebraucht, was mich schlimmes für den Rest befürchten ließ. Kamen doch jetzt hammerharte (offizielle) 38km. Also noch eine Zusatzflasche geschnorrt – die ich aufgrund der vereinzelten Bäche nie gebraucht habe…

Vom VP ging es kurz bergab zu einer Flußüberquerung (inkl Brücke)


um dann kontinuierlich Höhe zu sammeln. Durch beeindruckende Landschaften, in denen es viel einfach zu bestaunen gab.


Nach knappen 40 Kilometer hatten sich einige Jungs aus dem folgenden Ort Amenzel postiert, mit gekühlter Cola und Sprite (mit Kronkorken, insofern relativ manipulationssicher) für umgerechnet einen schlappen Euro. Die Jungs haben sich auch köstlich darüber amüsiert daß unsereins spezielle Schuhe zum laufen anzieht, banale Schlappen tun es doch auch… und extra Stöcke mitnehmen, wozu denn sowas…


Auf dem weiteren Weg mussten wir uns dann aber etwas sputen, schließlich galt es nach 50km den ersten CutOff zu erfüllen. Auf dem roadbook sah das alles recht einfach aus, richtige An- und Abstiege gab es auch nicht, trotzdem hat der steinige Weg seine Zeit gebraucht.
Angesichts der ungenauen bisherigen GPS-Messung hatte ich mit ca 53km laut Uhr gerechnet und die Hoffnung aufgegeben dass das klappt. Aber: pünktlich nach 49,5km tauchte der Kontrollpunkt von Jerome (wie man sieht: kein Kind von Traurigkeit)  auf – 10min vor dem Limit 💪


Schnell für die Nacht umziehen, Stirnlampe wieder raus und dann knappe 800HM auf einer unwahrscheinlich steilen Geröllrampe angehen.


 Ein Weg war hier nicht wirklich erkennbar, lediglich an den Markierungen war zu erkennen wo es lang ging. Oben angekommen geht es nur noch mäßig steil weiter bis zum Kontrollpunkt 5 – und schon war es richtig Nacht


An diesen Kontrollpunkten war ich immer sprachlos was da alles für uns in die Abgeschiedenheit transportiert wurde: die großen Zelte, etliche kleine Wurfzelte, Gaskocher, Notversorgung. Und, der Franzose versteht zu leben: auch diverse Flaschen Rotwein zur Privatversorgung, die selbstredend auch für durstige Seelen wie mich geöffnet wurden


Schließlich galt es an diesem Punkt die Halbzeit in Punkto Strecke (52,5) und Höhenmeter (3250) zu feiern. Nach einem kurzen Powernap machten wir uns dann zu dritt – seit km30 waren wir mit Bart aus den Niederlanden unterwegs – auf den Weg zum zweiten Versorgungspunkt nach 68,8km. Mittlerweile war auch der Mond aufgegangen und schuf eine richtig romantische Stimmung. 
Dank der Flußüberquerungen war das Wasserproblem auch behoben.
Mir schmeckte das Essen (diesmal gab es Nudelsuppe mit nach Wahl Kartoffel und Käse) immer gut, nur bei Rumpi streikte der Magen ein wenig.


Auf dem nun folgenden Anstieg – der dritte auf mehr als 3000m trennten sich dann auch vorübergehend unsere Wege, da Rumpi nicht mehr so schnell die Anstiege hochkam. So legte ich mich eben an den Kontrollpunkten immer etwas länger hin. Manchmal freiwillig, manchmal aber auch eher gezwungenermaßen. Mehrmals bin ich scheinbar während des laufens eingenickt, zumindest hat mir ein Franzose von merkwürdigen Schlangenlinien berichtet. Nur: so komfortabel war es nirgends. Zu der Zeit waren wir irgendwo deutlich über 3.000m, die Außentemperaturen um 0 Grad, mit Wind, die Zelte meistens belegt, die Romantik in einer Rettungsdecke im Freien zu schlafen hält sich für mich dabei in Grenzen. Rumpi ließ sich erstmal von Arzt untersuchen, neben allerhand Problemen bekam er aber nicht die Höhenkrankheit attestiert. So hatte er die Wahl: „… Du brauchst Elektrolyte und Wasser. Entweder Du kriegst jetzt eine Infusion, dann bist Du aber disqualifiziert. Oder Du trinkst das hier, dann darfst Du weiter…“ ich weiß nicht was er da bekommen hat, jedenfalls flog er gegen Ende des 2.000m-Downhills (auf ca 5!!!) fröhlich plaudernd an mir vorbei. Die (ziemlich ansehnliche…) Frau des Rennarztes als Zugpferd vor ihm. Ich freute mich zunächst des erwachenden Tages


und nahm eine kurze Frühstückspause in der Mitte des Downhills mit


bevor wir gemeinsam den zweiten CutOff der Strecke in Angriff nahmen, nach 88,9km in Imlil. Es war irgendwie schon toll, nach einer gefühlten Ewigkeit wieder sowas wie Zivilisation zu sehen. 


Da gab es Strom!! Und sogar Straßen und Autos!!!
Und: ca 45min Polster auf das Zeitlimit. Hier wäre die einzig plausible Möglichkeit zum aussteigen mit zeitnahen Rücktransport gewesen. Aber 16km vor Schluss aussteigen?? Nicht wenn es nicht unbedingt nötig ist. Der Blick auf den Schlußabschnitt ist zwar nicht aufmunternd – nochmal 1.500HM überwiegend im Aufstieg, dazu wurde es nochmal richtig warm. Erstmal kümmerte sich aber jemand im meine Füße (bestimmt kein schöner Anblick…)


dann stießen Rumpi und ich mit dem deponierten Bier auf alles bisherige an


und dann machten wir uns mit mittlerweile drei Begleitläufern auf den Schlussabschnitt. Und: es wurde heftig. Zunächst noch flach an der Müllentsorgung à la marrocaine vorbei


und dann schrecklich langsam den vorletzten kleinen (400HM) Berg hoch und runter.
In Amssakrou nochmal kurze Versorgung, kurz setzen, nochmal kurz die Attraktion der Dorfgesellschaft sein, und dann getrieben von unseren französischen Antreibern weiter („…ist nicht mehr schwierig, geht nur noch mal hoch…“).


Die beiden marokkanischen Fahnen bildeten den letzten Gruß vorm Ziel


kein Zeitdruck mehr da, das Ziel im Blick, nur noch locker den Hügel runter rollen lassen, ein so geniales Gefühl nach diesem langen Ritt…
Endlich, nach 35:29h im Ziel.


Was für ein Lauf, was für ein Gefühl, was für ein Erlebnis.
Diesmal bin ich mir auch einen Tag danach noch sicher dass ich sowas nie mehr wieder mache…

Der Sieger war übrigens nach ca 14:30h im Ziel, eine Wahnsinnszeit. Dafür bin ich dem Masseur unter den Händen eingeschlafen…